Bericht von Associated Press über Diskriminierung der Bahá’í in Ägypten und Katar
Berlin, 18. Juli 2025 – Die Internationale Bahá’í-Gemeinde (BIC) begrüßt einen neuen Bericht der Associated Press (AP), der die anhaltende und systematische Unterdrückung der Bahá’í in Katar sowie in Ägypten und im Jemen und den haltlosen Prozess gegen den prominenten katarischen Bahá’í Remy Rowhani aufzeigt. Die Feststellungen der AP zeigen schwerwiegende Beispiele für die Diskriminierung der Bahá’í in Katar und Ägypten auf und machen deutlich, dass internationale Aufmerksamkeit dringend erforderlich ist.
Eine erste Auswertung des AP-Berichts, der die jahrzehntelange Diskriminierung der Menschenrechte der alteingesessenen Bahá’í-Gemeinden in diesen Ländern aufdeckt, zeigt eine potenzielle Online-Reichweite von mehr als 700 Millionen Menschen.
Der Bericht beschreibt detailliert, wie die Bahá’í-Gemeinden in Katar und Ägypten, die seit Generationen in ihren jeweiligen Gesellschaften verwurzelt sind, mit Diskriminierung, Zwangsdeportationen und der Verweigerung von Bürgerrechten in Katar, der Verweigerung von Heiratslizenzen oder Grabstätten in Ägypten und einer Reihe anderer Repressionen konfrontiert sind.
„Die Menschenrechtslage der Bahá’í in Ägypten, Katar und Jemen ist in den letzten Jahren immer besorgniserregender geworden“, sagt Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland. „Wir freuen uns, dass die Associated Press sich einer wachsenden Zahl von Medienhäusern und Menschenrechtsorganisationen anschließt, die der internationalen Gemeinschaft diese Missstände auf der arabischen Halbinsel aufzeigen. Es ist höchste Zeit, die Menschenrechte der Bahá’í in Ägypten, Katar und im Jemen einzufordern.“
Der Bericht von Associated Press befasst sich u.a. mit dem Fall von Remy Rowhani, einem prominenten katarischen Bahá’í, der Anfang des Jahres inhaftiert wurde und dem nun wegen seines Glaubens ein unbegründeter Schauprozess mit falschen Anschuldigungen droht.
Rowhani wurde am 28. April 2025 aufgrund unbegründeter Anschuldigungen im Zusammenhang mit dem Social-Media-Account der katarischen Bahá’í-Gemeinde auf der Plattform X festgenommen, der vor fünf Jahren eingerichtet wurde und auf dem Nachrichten zu katarischen Feiertagen sowie Zitate aus den Bahá’í-Schriften veröffentlicht wurden. Seine Haft wurde mehrfach verlängert. Der Prozess wird im August fortgesetzt, und ihm droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren und/oder eine Geldstrafe von fast 30.000 US-Dollar.
Noora Rowhani, die in Australien lebende Tochter von Herrn Rowhani, sagte der AP, sie frage sich jeden Tag, warum die katarische Regierung ihren Vater ins Visier genommen habe. „Ein Land, das sich selbst als führend auf der Weltbühne bezeichnet und globale Konferenzen und Sportereignisse ausrichtet, kann nicht rechtfertigen, dass seine Bürger ins Visier genommen werden, nur weil sie einem anderen Glauben angehören“, sagt Frau Rowhani.
Im Mai wies die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf die seit langem andauernde Kampagne der katarischen Regierung zur Diskriminierung der Bahá’í- Gemeinde hin und erklärte, dies habe unter den Bahá’í im Lande ein „Klima der Angst“ geschaffen. Zwei hochrangige internationale Menschenrechtsanwälte bei Doughty Street Chambers in London, Baroness Kennedy of The Shaws LT KC und Steven Powles KC, gaben im Juni eine Erklärung ab, in der sie erklärten, dass die Anklagen gegen Remy Rowhani „deutlich machen, wie weit die Behörden in Katar zu gehen bereit sind, um die Bahá’í aus ihrem Land auszulöschen“. Außerdem fügten sie hinzu, dass „ein solches Vorgehen im Widerspruch zu allen völkerrechtlichen Verpflichtungen Katars steht“.
Der AP-Bericht erscheint auch vor dem Hintergrund, dass die ägyptische Regierung auf der jüngsten Sitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen in Genf sowohl Bedenken als auch Empfehlungen bezüglich der Verletzung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit zurückgewiesen hat. Sechs UN-Sonderberichterstatter hatten bereits im April 2025 ein gemeinsames und beispielloses Anschuldigungsschreiben an die ägyptische Regierung gerichtet, in dem sie ihre ernste Besorgnis über die anhaltende Diskriminierung der Bahá’í-Gemeinde in Ägypten zum Ausdruck brachten.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht von Associated Press:
● In Katar ist Remy Rowhani, ein führender Vertreter der Bahá’í-Gemeinde, seit April inhaftiert und steht derzeit vor Gericht, weil ihm „die Förderung der Ideologie einer abweichenden Sekte“ vorgeworfen wird. Sein Fall unterstreicht die Risiken, denen die Bahá’í in der Region ausgesetzt sind.
In Ägypten werden den Bahá’í grundlegende zivilrechtliche Dokumente verweigert und sie unterliegen Beschränkungen in Bezug auf Heirat, Bildung und Bestattungsrecht.
Im Jemen wurden über 100 Bahá’í unter falschen Anschuldigungen von den Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, inhaftiert.
Dr. Saba Haddad, BIC-Vertreterin bei den Vereinten Nationen in Genf, bekräftigte, dass die ägyptischen und katarischen Bahá’í-Gemeinden trotz Diskriminierung und Repressionen weiterhin für ihre Rechte eintreten werden, ebenso wie sie in ihren Gesellschaften aktiv bleiben werden. „Wir nehmen keine politische Position ein, wir mischen uns nicht in die Politik ein, wir haben keinen Bahá’í-Staat. Es geht uns um Toleranz und Akzeptanz“, sagte Dr. Haddad der AP. Die Bahá’í seien der „Gradmesser der Toleranz – für jede Regierung, jedes Land“, fügte sie hinzu.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
- Dr. Saba Haddad, BIC-Vertreterin, Genf, shaddad@bic.org, +41783082219 (Englisch & Arabisch)
- Jascha Noltenius, Menschenrechtsbeauftragter der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland, Berlin, bfa@bahai.de, +49 30 28 87 71 83 (Deutsch)
