Berlin, 1. Mai 2026 – In einer unerwarteten Entwicklung sehen sich über 40 Prozent der Bahá’í-Bevölkerung in Katar mit einer drohenden Ausweisung aus dem Land konfrontiert.
Die Internationale Bahá’í-Gemeinde und die Bahá’í-Gemeinde in Deutschland zeigen sich zutiefst besorgt darüber, dass die Regierung Katars offenbar eine gezielte Kampagne verfolgt, die darauf abzielt, die religiöse Identität einer Gemeinschaft auszulöschen, die seit mehr als einem Jahrhundert in der Region verwurzelt ist. Ihre Präsenz in Katar – lange vor der Gründung des modernen Staates – ist seit Jahrzehnten dokumentiert.
Die kleine, gesetzestreue Bahá’í-Gemeinde wurde über viele Jahre hinweg systematisch geschwächt. Sie war anhaltender Diskriminierung und massivem Druck ausgesetzt, darunter Inhaftierungen, Familientrennungen, der Entzug von Arbeitsmöglichkeiten und Zwangsausweisungen – allein aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit.
In den vergangenen Wochen hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Fast die Hälfte der verbliebenen Bahá’í wurde ins Visier genommen, unter anderem durch willkürliche Festnahmen, Drohungen und Einschüchterungen sowie Mitteilungen über die Nichtverlängerung von Arbeitsvisa, die sie zur Ausreise zwingen würden.
Die meisten Betroffenen stammen aus Familien, die seit Generationen – lange vor der Unabhängigkeit Katars – als Bahá’í bekannt sind und keine andere Heimat besitzen.
Den Familien drohen Trennung und Zersplitterung. Gleichzeitig gefährden die Maßnahmen zahlreiche über Jahrzehnte aufgebaute Familienbetriebe und entziehen vielen Bahá’í ihre wirtschaftliche Existengrundlage.
Insgesamt stellt dies eine ungerechtfertigte und schwerwiegende Eskalation der bereits seit Langem bestehenden systematischen Diskriminierung der Bahá’í-Gemeinde dar.
Im vergangenen Jahr hatte das Berufungsgericht Katars ein Urteil eines untergeordneten Gerichts gegen einen hochrangigen Bahá’í aufgehoben und damit die Rechte auf Religions- und Meinungsfreiheit bekräftigt – eine Entscheidung, die international breite Zustimmung fand.
Besonders auffällig ist, dass die aktuellen Vorgänge in scharfem Kontrast zu der positiven Rolle stehen, die die Golfstaaten seit vielen Jahren bei der Förderung von Zusammenleben, Vielfalt und Toleranz einnehmen.
Die Internationale Bahá’í-Gemeinde fordert die Regierung Katars eindringlich auf, keine migrationsrechtlichen Maßnahmen einzusetzen, um eine religiöse Minderheit zu verdrängen, und die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit zu achten. Sie ruft die Regierung dazu auf, die Abschiebungen zu stoppen, alle Aufenthaltsgenehmigungen zu verlängern und jegliche Form von Diskriminierung und Zwangsvertreibung zu beenden – sei es durch unerträglichen Druck im Alltag oder durch direkte Ausweisung.
Der positive Präzedenzfall des vergangenen Jahres gibt Anlass zur Hoffnung, dass die katarischen Behörden diesen bedauerlichen Kurs noch umkehren. In einer Zeit regionaler Herausforderungen appellieren wir an ihren Sinn für Gerechtigkeit und Fairness.
