Iranischer Bahá’í-Vater schreibt seinem Kind aus dem Gefängnis – Hoffnung für den Iran trotz eskalierender Verhaftungen

Berlin, 8. Juli 2026 – Ein in Shiraz inhaftierter Bahá’í-Vater hat aus dem Adelabad-Gefängnis einen bewegenden Brief an sein einjähriges Kind geschrieben, der einen seltenen und schmerzhaften Einblick in die menschlichen Folgen der anhaltenden Verfolgung der Bahá’í im Iran sowie in ihr Engagement für den Fortschritt und das Wohlergehen ihres Heimatlandes gewährt.

Pejman Zare, ein in Shiraz lebender Bahá’í, wurde am 15. März festgenommen, nachdem Sicherheitsbeamte seine Wohnung gestürmt und durchsucht hatten. Dabei beschlagnahmten sie persönliche Gegenstände, elektronische Geräte und religiöse Bücher.

Wochenlang erhielt seine Familie kaum Informationen über seinen Verbleib oder seinen Gesundheitszustand. Obwohl die Behörden später eine Kaution forderten und die Familie dieser Aufforderung nachkam, wurde seine Freilassung nicht vollzogen. Stattdessen wurden zusätzliche Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Nun hat Herr Zare aus der Quarantänestation des Adelabad-Gefängnisses in Shiraz anlässlich des ersten Geburtstags seines Kindes Radovin einen Brief geschrieben. „Heute ist der 92. Tag, an dem ich aufgrund meines Glaubens an die Bahá’í-Religion und meines Einsatzes für den Fortschritt meines Landes, des heiligen Iran, ungerechtfertigt im Gefängnis bin“, schrieb er.

Der Brief ist zugleich die Entschuldigung eines Vaters, ein Gewissenszeugnis und eine Liebeserklärung an den Iran. Herr Zare erklärt seinem Kind, dass er im ersten Lebensjahr von Radovin seinen väterlichen Pflichten nicht nachkommen konnte, und fügt hinzu: „Seit 92 Tagen bist du der Gegenwart deines Vaters beraubt.“ Zugleich beschreibt er seine Überzeugung, dass jeder Bürger zum Aufbau einer besseren Zukunft beitragen kann: „Das Ziel von uns allen Iranern ist der Fortschritt und die Entwicklung unseres geliebten Landes. “

„Dieser Brief verdeutlicht die menschlichen Kosten religiöser Verfolgung und willkürlicher Inhaftierung“, sagt Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland. „Kein Kind sollte seinen ersten Geburtstag feiern müssen, während ein Elternteil aufgrund seiner Überzeugungen inhaftiert ist. Keine Familie sollte um Informationen über Angehörige, Zugang zu Medikamenten oder grundlegende Rechte kämpfen müssen. Der Brief von Pejman Zare erinnert daran, dass die Bahá’í im Iran einen konstruktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen und dieselben Rechte beanspruchen wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger.“

In dem Brief beschreibt Herr Zare, wie Verhörbeamte ihn als „gefühllosen Vater“ bezeichneten, weil er an seinen Überzeugungen festhielt. Er schreibt jedoch, dass selbst im Gefängnis andere Häftlinge „Standhaftigkeit auf dem Weg zur Weiterentwicklung unseres geliebten Landes Iran“ als etwas anerkannten, das Respekt verdiene.

„Pejman Zares Brief steht in bemerkenswertem Kontrast zu seiner Behandlung durch die iranischen Behörden“, so Noltenius. „Trotz der Ungerechtigkeit, die er und viele andere Bahá’í erfahren haben, schreibt er aus dem Gefängnis über Dienst am Nächsten, Hoffnung und den Aufbau einer besseren Zukunft für den Iran. Sein Fall zeigt, wie eng Fragen der Religionsfreiheit und der bürgerlichen Rechte im Iran miteinander verbunden sind.“

„Die iranischen Behörden haben wiederholt versucht, Bahá’í als Aussenseiter in ihrem eigenen Heimatland darzustellen“, fügt Noltenius hinzu. „Doch Pejman Zares Brief macht deutlich, dass sich Bahá’í seit Generationen für das Wohlergehen ihres Landes einsetzen und sich eine Zukunft wünschen, in der alle Iranerinnen und Iraner in Würde, Gerechtigkeit und Frieden leben können.“

Für Rückfragen:
Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland
E-Mail: menschenrechte@bahai.de | Tel.: +49 30 863 318 23

Hier finden Sie eine englischsprachige und eine persischsprachige Pressemitteilung.

Weitere dokumentierte Fälle:

Der Fall von Pejman Zare steht exemplarisch für eine zunehmende Zahl von Festnahmen, Inhaftierungen und Haftstrafen gegen Angehörige der Bahá’í-Gemeinde im Iran.

In Kerman wird die 26-jährige Bahá’í Shakila Ghasemi seit mehr als fünf Monaten ohne formelle Anklage festgehalten. Nach einer ersten Phase der Einzelhaft in einer Einrichtung des Geheimdienstes der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) wurde sie in das Gefängnis von Kerman verlegt, wo sie weiterhin isoliert untergebracht ist. Berichten zufolge war sie in den vergangenen Wochen massivem psychischem Druck ausgesetzt, darunter wiederholten Drohungen mit einer unmittelbar bevorstehenden Auspeitschung, die ihr erhebliches seelisches Leid zufügten.

„Eine junge Frau, die eigentlich in einem Klassenzimmer sitzen sollte, sitzt stattdessen hinter Gittern – allein wegen ihres Glaubens“, sagt Jascha Noltenius. „Die physischen und psychischen Belastungen, denen sie ausgesetzt ist, sind Teil eines Musters, das darauf abzielt, Einzelpersonen zu brechen und eine religiöse Minderheit einzuschüchtern.“

Vor 30 Tagen wurde zudem der 20-jährige Bahá’í Parsa Najafi in Isfahan festgenommen, dessen Schwester Atossa kürzlich mit der Deutschen Welle über den Fall sprach. Parsa verbrachte seinen zwanzigsten Geburtstag in Haft und wird weiterhin ohne offizielle Anklage festgehalten. Seine Familie durfte ihn bislang nur zweimal kurz besuchen. Beim letzten Besuch wirkte er psychisch stark belastet. Berichten zufolge wurde er unter Druck gesetzt, vor laufender Kamera belastende Aussagen für Fernsehausstrahlungen zu machen. Sein Anwalt erhielt weder Akteneinsicht noch angemessenen Zugang zu seinem Mandanten. Dies wirft erhebliche menschenrechtliche Bedenken hinsichtlich seines Gesundheitszustands, möglicher erzwungener Geständnisse und seines Rechts auf anwaltlichen Beistand auf.

In Mashhad befindet sich der 32-jährige Bahá’í Vafa Kashefi fast drei Monate nach seiner erneuten Festnahme weiterhin in der Quarantänestation des Vakilabad-Gefängnisses, obwohl die geforderte Kaution hinterlegt wurde. Bis heute wurden ihm die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht offiziell mitgeteilt.

Ebenfalls in Mashhad sitzt der Fotograf Navid Zarrehbin Irani, für den der Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen eine politische Patenschaft übernommen hat, nahezu sechs Monate nach seiner Festnahme weiterhin ohne Anklageinformation im Vakilabad-Gefängnis. Ihm wurde der Zugang zu einem Rechtsbeistand seiner Wahl verweigert; auch seine Familie und sein Anwalt erhielten keine Einsicht in die Ermittlungsakten. Berichten zufolge war er während der Haft erheblichem psychischem Druck ausgesetzt.

In Teheran wird der Bildjournalist und Autor Artin Ghazanfari fast sechs Monate nach seiner Festnahme weiterhin im Grossraum-Teheran-Gefängnis (Fashafouyeh) festgehalten, ohne dass Anklage gegen ihn erhoben wurde. Trotz gesundheitlicher Probleme wurden Anträge auf Freilassung gegen Kaution bislang abgelehnt.

Diese Fälle stehen nach Angaben der Internationalen Bahá’í-Gemeinde für ein breiteres Muster von Menschenrechtsverletzungen gegenüber Bahá’í im Iran. Dazu zählen willkürliche Festnahmen, die Verweigerung rechtsstaatlicher Verfahren, Einschränkungen beim Zugang zu medizinischer Versorgung und Rechtsbeistand, langandauernde Einzelhaft sowie der Ausschluss von Haftlockerungen, die anderen Gefangenen gewährt werden. In einem aktuellen Fall wurde Angehörigen eines inhaftierten Bahá’í laut Berichten mitgeteilt, dass „kein Bahá’í-Gefangener freigelassen wird“.

Die Internationale Bahá’í-Gemeinde fordert die iranischen Behörden auf, Pejman Zare, Shakila Ghasemi und alle Personen, die allein wegen ihres Glaubens inhaftiert sind, unverzüglich und bedingungslos freizulassen. Zudem fordert sie ein Ende von Einzelhaft, Drohungen, Nötigung, Folter und erzwungenen Geständnissen sowie die Gewährleistung des Zugangs zu Familienangehörigen, Rechtsbeistand und notwendiger medizinischer Versorgung.

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