Im Juli 2026 befinden sich mindestens 55 Bahá’í allein aufgrund ihres Glaubens in Haft, darunter 31 Frauen und 24 Männer. Sie werden in regulären Gefängnissen, Einrichtungen der Geheimdienste, Haftzentren der Islamischen Revolutionsgarde sowie teilweise an unbekannten Orten festgehalten. Zusätzlich verbüßen mehr als 19 weitere Bahá’í ihre Strafen außerhalb von Gefängnissen unter elektronischer Überwachung.
Aus zahlreichen Berichten geht hervor, dass inhaftierte Bahá’í häufig körperlicher und psychischer Misshandlung ausgesetzt sind. Dazu zählen langwierige Verhöre, andauernde Einzelhaft, Schläge, Folter, die Erzwingung von Geständnissen sowie die Verweigerung notwendiger medizinischer Versorgung. Darüber hinaus berichten Betroffene regelmäßig über die Missachtung rechtsstaatlicher Mindeststandards, den eingeschränkten Zugang zu Rechtsbeiständen und die Verweigerung von Haftlockerungen, die anderen Gefangenen gewährt werden. In einem aktuellen Fall sollen Familienangehörige eines inhaftierten Bahá’í von Behördenvertretern sogar die Aussage erhalten haben, dass „kein Bahá’í-Gefangener freigelassen wird“.
Peyvand Naimi, der am 8. Januar 2026 festgenommen wurde, und sein Cousin Borna Naimi, der am 1. März 2026 festgenommen wurde, waren Scheinhinrichtungen, Folter, Einzelhaft und anderen Misshandlungen ausgesetzt. Die Behörden der Islamischen Republik versuchen, sie zu zwingen, Verbrechen zu gestehen, die sie nicht begangen haben. Peyvand und Borna sind beide junge Sportler, der eine Schwimmer, der andere Karate-Profi. Sie wurden ihr ganzes Leben lang wegen ihres Glaubens verfolgt, von sportlichen Aktivitäten und Wettkämpfen ausgeschlossen, nur weil sie Bahá’í sind, und ihnen wurden Studium und Beschäftigung verwehrt – alles wegen ihres Glaubens. Und nun sind sie aus demselben Grund inhaftiert.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel erklärte, er sei „schockiert über den Fall Peyvand Naimi“ und forderte dessen sofortige Freilassung. Vier weitere Mitglieder des Bundestages, Norbert Altenkamp, Norbert Röttgen, Lamya Kaddor und Bodo Ramelow, haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet, wobei Ramelow „Folter und Scheinhinrichtungen“ sowie den Versuch der „Zerstörung der Bahá’í-Gemeinde im Iran“ verurteilte. Kaddor betonte, der Fall stünde “exemplarisch für die Brutalität eines Systems, das gegen die eigene Bevölkerung und auch gezielt gegen Minderheiten wie die Bahai vorgeht”. Röttgen erklärte hinsichtlich Peyvand: „Die ihm vorgeworfenen Taten soll er begangen haben, während er sich bereits in Haft befand”. Altenkamp erklärte hinsichtlich der Scheinhinrichtungen an Peyvand: „Das verurteile ich aufs Schärfste und fordere seine sofortige Freilassung!”
Auffällig ist zudem der hohe Anteil weiblicher Gefangener. Dass zahlreiche Bahá’í in Einrichtungen der Revolutionsgarde oder der Geheimdienste festgehalten werden, verdeutlicht, dass ihre religiöse Identität von den Behörden als vermeintliche Sicherheitsbedrohung behandelt wird.