„Mein lieber Radovin (Ráduvín),

Heute ist dein Geburtstag, und der erste Jahrestag deines Lebens. Heute ist der 92. Tag, an dem ich aufgrund meines Glaubens an die Bahá’í-Religion und meines Einsatzes für den Fortschritt meines Landes, des heiligen Iran, ungerechtfertigt im Gefängnis bin.

Während dieser Zeit habe ich oft an dich gedacht und daran, wie du diese Zeit eines Lebens bewerten wirst. Leider konnte ich in den vergangenen 92 Tagen aufgrund meiner Inhaftierung meine väterlichen Pflichten dir gegenüber nicht erfüllen, und dafür schäme ich mich.

Als ich in der Haftanstalt des Geheimdienstministeriums war, bezeichneten mich die Vernehmer als einen gefühllosen Vater, der durch seine Standhaftigkeit gegenüber seinen Prinzipien und Überzeugungen seinem eigenen Kind schade und nicht an seine Frau und sein Kind denke.

Natürlich ließ ich mich von ihren Worten nicht beeinflussen, doch ich fragte mich, wie mein lieber Radovin eines Tages auf diese Zeit zurückblicken wird. Wird er sie als einen Teil seines eigenen Wachstums und seiner Entwicklung – sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht – betrachten? Oder wird er die physische Abwesenheit seines Vaters als dessen Versäumnis ansehen und als etwas, das ihm geschadet hat?

In der Haftanstalt sagte einer meiner Zellengenossen zu mir, dass Radovin eines Tages stolz auf seinen Vater sein werde, weil dieser für die Wahrheit und sein Land standhaft geblieben sei. Damals dachte ich, er sage dies nur, um mir Mut zu machen. Doch als ich von der Haftanstalt in die Quarantäneabteilung des Adelabad-Gefängnisses verlegt wurde, wurde ich bereits in der ersten Nacht von Dutzenden meiner früheren Zellengenossen begrüßt – etwas, das sowohl mich als auch andere Gefangene überraschte.

Später wurde mir klar, dass der Grund für diesen Empfang darin lag, dass meine Standhaftigkeit auf dem Weg zur Weiterentwicklung unseres geliebten Landes Iran für sie wertvoll und bewundernswert war.

Das Ziel von uns allen Iranern ist der Fortschritt und die Entwicklung unseres geliebten Landes. Unser Land erwartet eine strahlende Zukunft. Doch Zukunft wird geschaffen, nicht gefunden. Um diese Zukunft zu schaffen, muss man Opfer bringen.

Jeder Iraner trägt seinen Teil zu den Kosten dieser Zukunft bei: manche mit dem Leben, manche mit ihrem Vermögen, manche durch Gefangenschaft und manche durch Dienst am Gemeinwohl und konstruktive Standhaftigkeit.

Doch du, mein lieber Sohn, hast den Preis für diese Zukunft bereits im Voraus bezahlt. Seit 92 Tagen bist du der Gegenwart deines Vaters beraubt und konntest nicht von seiner Begleitung und seiner Rolle für dein Wachstum und deine Entwicklung profitieren.

Mein lieber Radovin, an deinem Geburtstag wünsche ich dir, dass du deinen Weg des Fortschritts, des Wachstums und der geistigen, körperlichen und intellektuellen Entfaltung fortsetzt, zu einem wahren Diener der Menschheit wirst und ein Leben voller Freude vor dir hast.

Alles Gute zum Geburtstag, mein lieber Sohn Radovin.

Ich liebe dich.

Dein Vater Pejman

14. Juni 2026 

Adelabad-Gefängnis Schiras, Quarantäneabteilung“

Pressemitteilung zur Haft von Pejman Zare und weiteren Bahá’í im Iran vom 8. Juli 2026.