
Die Bahá’í im Iran sehen sich einer beständigen Flut von Artikeln und Videos in den Medien ausgesetzt, in denen sie durch falsche Anklagen, hetzerische Wortwahl und geschmacklose Bildsprache dämonisiert und verleumdet werden. Insgesamt wurden seit Januar 2014 in staatlich kontrollierten (oder unterstützten) sowie klerikalen (und damit ebenfalls staatlich genehmigten) Medien über 50.000 Fälle von Anti-Bahá’í-Propaganda gezählt. Besorgniserregend ist auch die zunehmende Einschüchterung von Kindern in Schulen.
Kinder und Jugendliche, von denen bekannt ist, dass sie Bahá’í sind, werden in Grund-, Mittel- und Oberschulen überall im Iran schikaniert, verunglimpft und psychisch unter Druck gesetzt. Diese Missbräuche werden oft von ihren Lehrern und Schulleitungen begangen. Vielen Schülern wurde ein Schulverweis angedroht oder sie werden gezwungen, die Schule zu wechseln. In Hunderten von Vorfällen wurden junge Bahá’í unter Druck gesetzt, zum Islam zu konvertieren, zur Verwendung von Lehrbüchern gezwungen, die ihr religiöses Erbe verunglimpfen und verfälschen, und sie werden durch verbale Angriffe auf ihren Glauben an der Schule isoliert. Jedes Kind, das den Mut hat, etwas zu erwidern, wird stark getadelt. Alleine im Januar und Februar 2007, wurden über 150 solcher Vorfälle aus zehn verschiedenen Städten gemeldet, und von Oktober 2008 bis Februar 2009 erhielt die Bahá’í International Community Berichte über mehr als 100 Vorfälle an einem Dutzend verschiedener Orte. Parallel dazu wurden die Lehrer über den Bahá’í-Glauben mit Materialien „aufgeklärt“, die Lügen enthalten, die denen der staatlich geförderten Medienpropaganda in ihrer Aufstachelung zu Hass und Intoleranz sehr ähneln. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für Verfolgung von Kindern:
Iranische Behörden verwehren Bahá’í kategorisch, eine mediale Richtigstellung der Informationen über ihren Glauben zu erwirken, obgleich sie damit Artikel 23 des Iranischen Pressegesetzes verletzen.
Die Regierung beschränkt sich bei ihren Aktionen nicht mehr nur auf die Bahá‘í selbst, sondern auch auf Freunde, Nachbarn, Mitarbeiter und Geschäftspartner, die selbst keine Bahá‘í sind. In einigen Städten haben die aufrührerischen Hasspredigten der muslimischen Geistlichkeit bereits die Bevölkerung gegen die Bahá‘í aufgehetzt. So werden in einigen Städten Petitionen gegen die Bahá‘í ausgelegt und bei Freitagspredigten vor den Moscheen Unterschriften gegen die Bahá’í gesammelt. Beamte des Geheimdienstministeriums haben zudem gegenüber den Bahá’í verlauten lassen, dass sie sich nicht in der Lage sehen, die Bahá‘í gegen den aufgehetzten Mob zu „schützen“. Bei einer Vernehmung von Bahá‘í in der Stadt Schiras wurde vonseiten der Regierungsvertreter auch auf die erstarkte Hojjatieh-Gesellschaft hingewiesen. Diese als Anti-Bahá‘í-Gesellschaft gegründete Organisation sowie die Basij-Milizenwurden benannt, als der Regierungsvertreter in zynischer Weise davon sprach, dass die Regierung den „Schutz“ der Bahá‘í nicht mehr oder unzureichend gewährleisten könne.
Hasssendungen gegen die Bahá‘í, in denen häufig einflußreiche Persönlichkeiten, wie Kleriker, Redakteure und Regierungsbeamte zu Wort kommen werden regelmäßig von Nachrichtenagenturen veröffentlicht, die dem Staat zumindest nahe stehen, darunter Aftab News, Basij News, Fars News, Fergie News, Hawzah News, Iranian Quran News Agency, QudsOnline, Rasa News und Shabestan News.
In einer umfangreichen Medienkampagne, die außerhalb des Iran praktisch unbemerkt bleibt, wird systematisch Hass und Diskriminierung gegen die Bahá’í Irans geschürt. Unter großem Aufwand werden sie in der Öffentlichkeit dämonisiert und verleumdet. In einem am 21. Oktober 2011 veröffentlichten Bericht („Inciting Hatred: Iran’s media campaign to demonize Baha’is“) benennt und analysiert die Internationale Bahá’í-Gemeinde mehr als 400 Presse- und Beiträge gegen die Bahá’í in den iranischen Medien. Sie geben einen Einblick in die perfide, staatlich geförderte Hetzkampagne, mit der die Bahá’í durch falsche Anklagen, aufhetzerische Wortwahl und geschmacklose Bildsprache dämonisiert und verleumdet werden. Der Bericht gibt Beiträge aus einem Zeitraum von 16 Monaten wieder. Die Propaganda gegen die Bahá’í stammt und ist abgesegnet von den höchsten Führungsschichten der Islamischen Republik, einschließlich des Obersten religiösen Führers. Die Kampagne verstößt gegen die völkerrechtlichen Verpflichtungen des Iran , darunter die richtungsweisende Resolution des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen von diesem Jahr, welche negatives Stereotypisieren und das Schüren von Hass gegen religiöse Minderheiten dezidiert verurteilt und bekämpft.
Bahá’í werden in ihrem eigenen Land als “Andere” bzw. Außenseiter und Feinde des Islam gebrandmarkt, und zwar auf eine Art und Weise, die klar und deutlich darauf abzielt, die religiösen Empfindlichkeiten iranischer schiitischer Muslime zu verletzen. Die Kampagne soll zudem die Aufmerksamkeit von dem Ruf nach Demokratie in Iran ablenken, indem die Bahá’í als „Sündenböcke“ für alles herhalten müssen und gleichzeitig Regierungsgegner und Menschenrechtsverteidiger als Bahá’í verleumdet werden, als ob dies das abscheulichste Verbrechen wäre. Die Behörden streuen weiterhin groteske Verschwörungstheorien, etwa dass ausländische Medien, vor allem die British Broadcasting Corporation (BBC)und Voice of America (VOA)von Bahá’í kontrolliert oder beeinflusst werden, weil sie Beiträge über Menschenrechtsverletzungen in Iran senden.
Es häufen sich zudem Berichte, wonach Häuser und Geschäfte der Bahá‘í mit Hassparolen beschmiert werden und mit Molotowcocktails bewaffnete Unbekannte Bahá‘í-Wohnungen angreifen. So wurden vielfach Häuser und Geschäfte mit Anti-Bahá’í-Graffiti beschmiert, die u.a. lauteten: „Tod den Bahá’í-Spionen von Amerika und Israel“ oder „Bahá’í sind unrein.“